Bücher für Leseanfänger: So gelingt der selbstständige Lesestart

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Bücher für Leseanfänger: So gelingt der Start

Bücher für Leseanfänger: So gelingt der selbstständige Lesestart

Bereits zwei unserer Kinder durfte ich in den vergangenen Jahren beim Lesestart begleiten. Während eines unserer Kinder das Lesen fast beiläufig in der Schule lernte, bekamen wir jüngst durch das „Home Schooling“ einen vergleichsweise genauen Einblick in die Didaktik der 1. Klasse.

Lesenlernen beginnt schon beim Vorlesen

Rund 32 % der Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern laut einer Studie von Stiftung Lesen selten oder nie vor. Neben dem offensichtlichen Zeitmangel, gaben 49 % der Eltern an; Vorlesen mache ihnen keinen Spaß.

Dabei sind die Vorteile für Kinder groß: Vorlesen begünstigt nicht nur die Lesemotivation von Kindern, es fördert außerdem die sprachliche und emotionale Entwicklung.

„91 % der Kinder in Deutschland lieben es, wenn ihnen vorgelesen wird und wünschen sich, dass dies noch viel öfter geschieht.“ 

Stiftung Lesen (Vorlesestudie)

Was das Vorlesen so wichtig macht, ist neben dem Beleben der Fantasie vor allem das Vertrautmachen mit der deutschen Schriftsprache.

Die Schriftsprache kennzeichnet sich durch Grammatik, die Kinder so im alltäglichen Sprachgebraucht nur selten wahrnehmen oder gar nutzen.

Um Worte beim Lesen möglichst schnell erfassen und verarbeiten zu können, hilft es ungemein, wenn Kinder diese gut kennen und zuordnen können.

Auf der Suche nach passendem Lesestoff

Sind die ersten Seiten in der Fibel erfolgreich gemeistert, fängt der Lesespaß erst so richtig an. Oder etwa nicht? Bekanntlich lernt jedes Kind in seinem Tempo und so wundert es sicher niemanden, dass es keine Pauschallösung gibt.

Auf der Suche nach passenden Büchern, war ich um ehrlich zu sein ziemlich enttäuscht. Denn was im Handel als Lesebücher für die 1. Klasse angepriesen wird, das unterscheidet sich in puncto Leseniveau und Darbietung doch sehr stark.

Alle starten bei Null?

In Deutschland lernen inzwischen immer mehr Kindergartenkinder das Lesen von Buchstaben und ersten Wörtern. Der Lernstand von Erstklässlern variiert daher sehr stark und dürfte die Klassenlehrer*innen vor zusätzliche Herausforderungen stellen.

Wenn ich im Weiteren also von Erstlesern sprechen, dann meine ich Kinder, die klassisch im Zuge der 1. Klasse das Lesen erlernen.

In der Regelschule werden die Buchstaben des Alphabetes in vorgegebener Reihenfolge – nicht aber alphabetisch erlernt. Umlaute und Zweilaute werden meist erst später eingeführt. Details, die mir vor dem ersten Schulkind tatsächlich so nicht bewusst waren. Und ein Umstand, der die sinnvolle Textauswahl für Erstleser tatsächlich vorerst stark einschränkt.

Auf der Suche nach geeignetem Lesematerial sollten Eltern daher im Zweifel immer den Lernstand und das individuelle Entwicklungsbedürfnis ihres Kindes im Auge behalten.

Bücher für Leseanfänger: So gelingt der selbstständige Lesestart

Übers Lesen und Lesenlernen

Um selbstmotiviert lesen zu lernen, brauchen Kinder vor allem kleine Erfolgserlebnisse. Der Schwierigkeitsgrad der Worte und Texte sollte daher immer zum Lernstand des Kindes passen.

Die Lernforscher Glaser und Glaser kamen 1989 zu dem Schluss, dass Lesen zunächst komplett ohne Bedeutung stattfindet. Die Verarbeitung der Sprache und die Verarbeitung ihrer Bedeutung finden nach umfassender Studie in zwei unterschiedlichen Systemen der Informationsverarbeitung statt. Sie betreffen außerdem sowohl das Kurz- als auch das Langzeitgedächtnis.

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Schwache Leser lesen der Studie zufolge ausschließlich mit dem Kurzzeitgedächtnis. Das bedeutet, sie verarbeiten die Buchstaben eines Wortes jedes Mal einzeln und bewusst. Dies merken Eltern z.B. daran, dass Kinder ein Wort, das sie gerade erst gelesen haben im nächsten Satz wieder komplett neu, Buchstabe für Buchstabe lesen.

Automatisierung – der Unterschied zwischen Wissen und Können

Solange beim Kind noch keine sogenannte Automatisierung des Lesens stattgefunden hat, findet die gesamte Leseleistung im Kurzzeitgedächtnis statt.

Das Gehirn kann dadurch nur eine sehr begrenzte Anzahl von Elementen verarbeiten. Etwa sieben Buchstaben sind in einem Schritt möglich. Die Umwandelung der einzelnen Buchstaben zu Lauten findet dabei nacheinander statt. Das Lesen dauert so extrem lange und ist für das Kind mit viel Konzentration und großer Anstrengung verbunden.

Automatisierte Inhalte hingegen werden im Langzeitgedächtnis verarbeitet. Hier gibt es nahezu keine Mengenbegrenzung. Prozesse können außerdem gleichzeitig durchgeführt werden. Diese Parallelverarbeitung führt dazu, dass Wissen, welches im Langzeitspeichen liegt schnell und vergleichsweise mühelos abgerufen werden kann.

„Automatisierung ermöglicht eine Steigerung der Verarbeitungsgeschwindigkeit im Gehirn von 1000% bis 2000%.“

Jansen und Streit „Positiv lernen“

Manchmal lese ich meinen Kindern beispielsweise Geschichten vor, ohne sie inhaltlich wirklich bewusst mitzubekommen. Das Langzeitgedächtnis übernimmt hier also den dominanten Part.

Aufgrund der mangelnden Automatisierung sind schwache Leser schneller erschöpft und zunehmend unmotiviert. Zu anspruchsvolle Texte können außerdem dazu führen, dass Kinder schnell die Freude am Lesen verlieren. Oder sogar eine Abwehrhaltung einnehmen.

Im Vergleich zu guten Lesern, lesen sie so deutlich weniger, wodurch die dringend benötigte Automatisierung zusätzlich ausgebremst wird. Ein Teufelskreis also, bei dem schwache Leser durch ungünstige Herangehensweisen zu schlechten Lesern gemacht werden!

„Studien zeigen, dass schlechte Leser bereits während des Unterrichts nicht einmal halb so viel lesen wie gute Leser.“

Biemiller aus „Lesen und Rechtschreiben lernen nach dem IntraActPlus-Konzept“

Für motivierte Erstleser ist es daher eher sinnvoll anfangs einzelne Worte und kurze, einfache Sätze zu lesen.

Bücher für Leseanfänger: So gelingt der selbstständige Lesestart

Wie erkenne ich gute Bücher für Erstleser?

Die starke Abneigung, die Kinder gegen das Lesen entwickeln, sie ist in vielen Fällen leider hausgemacht und völlig unnötig!

Wenn wir unsere Kinder fürs Lesen begeistern möchten, dann sollten wir unbedingt den Blick auf ihren Lernstand richtigen. Nicht, auf die Alters- oder Klassenangeben auf dem Buchrücken!

Wenn wir uns fragen: „Was braucht mein Kind?“ können wir ihm nachhaltiger helfen, als fragten wir: „Was sollte mein Kind jetzt gerade theoretisch können?“

Bücher für Leseanfänger

Lesestoff für die ersten Wochen

Aus persönlicher Erfahrung kann ich hier wirklich einen kurzen Austausch mit dem Lehrer oder der Lehrerin empfehlen. Oft gibt es einfaches Übungsmaterial, das zum Inhalt und Aufbau des Schulmaterials passt. Viele Fibeln haben z.B. begleitende Lesebüchlein mit einfachen Wörtern oder lustigen Fragen.

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Wer die bereits erlernten Buchstaben auf Zettel oder Wäscheklammern schreibt, kann außerdem spielerisch eigene erste Wörter legen und lesen.

Erste Sätze lesen

Beherrscht das Kind die einzelnen Buchstaben korrekt, machen kleine Büchlein mit kurzen, einfachen Sätzen Sinn.

Unsere Favoriten waren hier immer erst Bücher mit Silbenmethode. Durch die farbliche Gliederung in Silben fällt es Kindern oft leichter, die Buchstaben in ein sinnvolles Wort zu verwandeln.

Wer hier schon fit ist, findet sicher Spaß an einer Wort-Rallye: Einfache Worte wie Flur, Ofen, Bad, Bett verstecken, mit Hinweis auf den Fundort des nächsten Zettels. Am Ziel findet sich vielleicht sogar ein kleiner Schatz?

Bebilderte Textbücher für Erstleser

Bücher für echte Leseratten

Lesen Kinder sicher erste Sätze, darf es ruhig etwas anspruchsvoller werden. Die Reihen Leselöwen und Duden Leseprofi finde ich persönlich sehr schön.

Natürlich sollte sich der Inhalt immer nach den Interessen des Kindes richten. Ein gemeinsamer Besuch in der Bibliothek kann hier wirklich hilfreich sein und die Kosten gering halten.

Vom Erstleser zum Bücherwurm

Wie schnell ein Kind diese Entwicklungsschritte abschließt ist sehr individuelle. Während einige Kinder die gesamte Grundschulzeit brauchen, um flüssig lesen zu lernen, gelingt es anderen innerhalb weniger Monate. Und auch die spätere Lust am Lesen ist sehr individuell.

Spielerisch das Lesen fördern:

  • mit Hilfe von Gesellschaftsspielen
  • durch Liste, Rezepte oder Pläne
  • Kinderzeitschriften abonnieren
  • Comics lesen
  • Recherchen zu persönlichen Lieblingsthemen unterstützen
  • eigene Hörspiele einlesen
  • lesebasierte Apps oder Computerspiele (in Maßen)

Fazit

Lesen zu lernen ist ein Marathon, kein Sprint. Um die Freude am Lesen möglichst zu erhalten, sollte unser Blick also immer auf dem Kind und seinen Bedürfnissen liegen. Gerade in der Grundschulzeit lernen Kindern nicht nur fachliche Inhalte, sie lernen auch das Lernen.

Hier ein selbstmotivierendes Umfeld zu schaffen und realistische Ziele zu setzten, ist aus meiner Erfahrung ein Geschenk, das wir unseren Kindern fürs Leben mitgeben.


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  1. danke für diesen wunderbaren, liebe saskia, und das aufwendigr zusammentragen von all den büchern, kommt gerade rechtzeitig 🙏🏻

  2. Melanie Piehler

    Liebe Saskia,

    Vielen lieben Dank für den superübersichtlichen und toll recherchierten Artikel! Ich finde ihn sehr hilfreich und werde mir gleich noch Deine Buchempfehlungen näher ansehen!

    Alles Gute
    Melanie

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