Mündige Elternschaft oder Warum Veränderung nur von uns selbst ausgehen kann

Der Weg zur mündigen Elternschaft

Neulich lief mir bei Pinterest eine englischsprachige Liste über den Weg – mit dem vielversprechenden Titel „66 positive Dinge, die du deinem Kind sagen solltest“. 

Da standen wirklich gute Punkte wie „Ich bin froh, dass es dich gibt“ „Ich glaube dir“ „Ich verstehe dich“ und „Ich bin dankbar, deine Mutter zu sein“.

Was im ersten Moment wertvoll und schön klang, das hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. 

All diese Sätze sind wichtig und kraftvoll; keine Frage. Doch irgendwie fühlen sie sich komisch an. 

Ich fragte mich: Ist es wirklich wichtig was wir sagen – oder ist es doch entscheidend wie wir es sagen? Wo die Worte ihren Ursprung finden. In einer echten Überzeugung, einer Lebensweise – oder im Internet; zwischen schlechtem Gewissen, Hilflosigkeit und dem Wunsch, es um jeden Preis richtig machen zu wollen? 

Eine Liste mit tollen Worten allein hat wohl den selben Wert wie ein Liebesbrief, den wir bei Google suchen und ausdrucken. 

Klingt wundervoll. Macht Freude. Fühlt sich gut an.

Aber wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir, dass es nicht echt ist. Einfach weil unser Herz nicht drin steckt.

Weil schöne Worte allein wie ein bunter Blumenstrauß sind. Hübsch – aber ohne Wurzeln immer vergänglich und haltlos.  

Und das ist für mich der entscheidende Punkt.

Wir können unseren Kindern all diese wundervollen 66 Ding ins Ohr flüstern, sie auf Zetteln in der Brotbox verstecken und riesige Poster damit bedrucken.

Aber können geliehene Worte unsere Kinder wirklich erreichen. Fühlen sie sich allein durch diese Worte geliebt, verstanden oder gesehen?

Klar – manchmal wünschte ich mir, es wäre alles so einfach! Wie genial wäre eine kompakte Bedienungsanleitung – ein Masterplan im Handtaschenformat.

Aber die Wahrheit ist: Nicht die Dinge, die wir sagen sind wichtig – es sind die Dinge, die wir tun!

Die Dinge hinter denen unsere Überzeugung steht. Die Erfahrungen, die wir selbst gesammelt haben. Unsere Hoffnungen, unsere eigene Sicht auf die Dinge.

Ich frage mich, warum mich solche Worte und Weisheiten überhaupt ansprechen.

Und ich frage mich, wie ich meinen Kindern vielmehr tagtäglich in meinem Handeln zeigen kann, dass ich froh bin, sie um mich zu haben.

Ich frage mich, wie ich meinen Kindern im Alltag mein Vertrauen und Verständnis, all diese wirklich essenziellen Dinge, nachhaltig zeigen kann!

Warum fällt uns das manchmal überhaupt so schwer?!

Die Antwort ist ziemlich einfach: Um Gefühle zeigen zu können, müssen sie überhaupt erst mal da sein. Müssen wir sie zulassen, sie spüren und manchmal vielleicht auch erst freilegen.

Was einen echten Unterschied macht

„Wir sehen die Welt nicht wie sie ist – wir sehen sie, wie wir sind.“

Nur ich selbst kann etwas an der Art und Weise ändern, wie ich andere Menschen sehe. Wie ich ihnen begegne und welche Werte ich tagtäglich lebe, kultiviere und weitertrage. 

Das bedeutet Arbeit, das bedeutet ganz persönliches Wachstum. Aber wenn ich ehrlich bin, dann scheint mir das wirklich der einzige Weg. 

Wenn ich mich selbst nicht akzeptieren kann, wenn ich unzufrieden mit mir bin, mich nicht als gut genug empfinde, Selbstzweifel mich quälen – wie begegne ich dann den Menschen in meinem Umfeld?

Wie verhalte ich mich gegenüber meiner Familie, meinen Freunden oder jemandem, der anderer Meinung ist; jemandem, der mich in Frage stellt, jemandem wer meine wunden Punkte drückt? 

Für wie wertvoll halte ich überhaupt mein Leben? Und wie sehe ich meine eigene Bedeutung –  meine Fähigkeit Dinge zu ändern und zu bewegen. 

Wie wir als Eltern mit unseren Kindern umgehen – das geschieht nie losgelöst von dem, wie wir mit uns selbst und unserer Umwelt umgehen.

Erziehung demnach separat als „eigene Disziplin“ zu betrachten – als etwas, in dem wir isoliert betrachtet „besser werden“ können; das halte ich für unmöglich.

Wir sprechen darüber, dass Eltern vor allem authentisch sein sollen. Und das bedeutet für mich, lieber das zu geben, was wir haben – und sei es auch noch so fragil und unfertig – statt bloß so zu tun als ob. 

Viele Tipps, die wir zu Elternschaft finden kratzen ganz wunderbar an der Oberfläche. Wir können unser Vokabular ändern, einen Bevor-ich-losbrülle-Notfallplan an den Kühlschrank heften.

Aber all das verändert nicht den Ursprung, verändert nicht die Person aus der solche Reaktionen nun mal einfach so herausplatzen.  

Und darum nehmen uns bequeme Hilfestellungen am Ende eigentlich mehr, als sie uns geben. Sie nehmen uns die Möglichkeit wirklich zu wachsen. Sie ersparen es uns, da hinzuschauen, wo es wirklich weh tut. 

Mündige Elternschaft: Raus aus der Abhängigkeit!

Fast-Food-Erziehung sozusagen. Sieht auf den ersten Blick toll aus, macht aber nicht satt. Im schlimmsten Fall ist der Hunger danach sogar noch größer. Genau wie die Abhängigkeit.

Wie schnell sind grosse Worte gesagt – aber wie viel Arbeit bedeutet es, sie auch wirklich zu meinen. 

Ich würde behaupten eine echte, unperfekte Beziehung ist mehr Wert als all die perfekten Worte, die mir jemand anderes in den Mund legt!

Warum Lernen nicht nach der Schule aufhört

Und dann gibt es im Internet auch viele wundervolle Blogs und Magazine, die uns zum Nachdenken und zur eigenen Reflexion anregen. Ort, an denen wir lernen können, Erfahrungen austauschen und Impulse erhalten.

Mit Autorinnen/en, die ihren Lesern ein solides Rüstzeug und ganz viel Menschlichkeit an die Hand geben. 

Ein Handwerkszeug für Eltern – mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die uns helfen das kindliche Handeln besser zu verstehen oder mit psychologischen Ansätzen, die handfeste Ursachenforschung betreiben und menschliche Verhaltensmuster offenlegen.

Woran man diesen wirklich nahrhaften Lesestoff erkennt?

Er kommt meist ohne Patentrezept und ermutigt uns selbst – im Idealfall gemeinsam mit unserem Partner, statt „dem Internet“ – auf die Suche nach Antworten zu gehen. Ganz abseits von Pinterest und Co. – bei uns und unserer Familie. 

Ich möchte diesen Beitrag mit den inspirierenden Worten eines Kindes an Maria Montessori schließen. Denn ich bin sicher diese Gedanken gelten, solang wir lernen. Und damit (hoffentlich!) ein ganzes Leben!

„Hilf mir, es selbst zu tun. Zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich.
Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen.
Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen.“

Kategorien Blog Familienleben

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