Der angeborenen Sinn für Ordnung: Was Minimalisten und Maria Montessori gemeinsam haben

Minimalismus und Familie

Das Thema Ordnung – und vor allem wie sie gehalten wird – ist in vielen Familien ein echter Streitpunkt.

Die Frage wie viel Spielzeug nun tatsächlich zu viel Spielzeug ist, habe ich bereits in einem früheren Artikel in Angriff genommen – ebenso wie die Frage nach einfachen Tipps zum Einrichten von Kinderzimmern.

Heute möchte ich darüber schreiben, wie wir als Familie versuchen können Ordnung zu kultivieren.

Nicht jeder Lehrer ist auch eine Bezugsperson,
doch jede Bezugsperson ist auch ein Lehrer.

– Tim Seldin

Auf dieses Zitat bin ich eher durch Zufall gestoßen – und es hat mich seitdem einfach nicht mehr losgelassen.

Kinder lernen bekanntlich nicht durch das, was wir ihnen sagen; sondern durch das, was ihr Umfeld ihnen tagtäglich vorlebt.

Simple Theorie mit großer Bedeutung für uns als Eltern. Denn in Bezug auf das Thema Ordnung, liegt in der Selbstdisziplin oft der größte Stolperstein.

Wenn wir Eltern nicht in der Lage sind Ordnung zu halten und Strukturen zu schaffen – wie können wir es dann von unseren Kindern erwarten?

„Bitte schmeißt die Schuhe nicht einfach in den Flur!“ sagt die Frau, die 10 Minuten später mal wieder verzweifelt – setze wahlweise ein: ihren Autoschlüssel,  das Portemonnaie, die Sonnencreme sucht.

Ordnung fängt bei MIR an

Ja, es ist schwer es sich einzugestehen. Aber in den meisten Haushalten regiert doch zu einem gewissen Grad überall das Chaos.

Dinge, die keinen festen Platz haben; Ablagen, die überquellen und ja, auch Spielzeug und Kleinteile die sich wie von Zauberhand ihren Weg quer durch die Wohnung bahnen.

Im Alltag bin ich vor zwei Jahren noch regelmäßig an einen Punkt gekommen, an dem mir der Haushalt irgendwie über den Kopf wuchs:

Geschirr und Reste vom letzten Snack, Wäscheberge, Krümel unter dem Esstisch, Handabdrücke an allen Scheiben, Bastelutensilien überall und – oh da sind ja die Autoschlüssel!

In solchen Momenten fiel mir dann auch auf, dass die Kinder einfach überall ihr Spielzeug liegen lassen, die Kappen auf den neuen Stiften fehlen und wo kommt denn der angebissene Apfel her?!

Warum Familien Minimalismus brauchen

Szenen, die dem ein oder anderen sicher bekannt vorkommen.

Und die Lösung? Die liegt für mich ganz klar im Minimalismus – oder zumindest einer familienfreundlichen Version davon.

Wir haben seit unserem letzten Umzug viel aussortiert, weitergeben und entsorgt. Und ich merke wie gut mir das tut. Inzwischen besitzen wir in großen Teilen des Hauses wirklich nur noch die Dinge, die wir brauchen, schön finden oder an denen wir einfach hängen.

Das spart nicht nur Platz und Zeit beim Aufräumen sondern gibt mir vor allem mehr Raum für das Sorgen zu tragen, was wirklich wichtig ist.

Ohne Fleiß kein Preis – warum Disziplin so wichtig ist

Weg mit dem alten Kram, hallo neues Leben?! Nein, so einfach ist es in der Praxis dann leider doch nicht.

Was für mich den Unterschied macht, ist eine gehörige Portion Selbstdisziplin. Für mich und vor allem für mich als Mutter.

Schritt 1:

Wie bereits beim Thema Kinderzimmer erwähnt, besteht für mich der erste Schritt im Ausmisten.

  • Welche Dinge brauchen wir schlicht nicht?
  • Was ist doppelt und dreifach vorhanden?
  • Wann habe ich das zum letzten Mal benutzt?
Schritt 2:

Ganz im Geiste von Marie Kondo heißt es nun Kategorien zu bilden und Dinge nach diesen Kategorien gemeinsam an einem Ort aufbewahren.

Im Klartext: Eine Schublade für den gesamten Bastelkram – nicht die Scheren im Schrank, das Papier im Büro und die Stifte quer in der ganzen Wohnung verstreut.

Winterkleidung, die grade nicht gebraucht wird, wird an einer Stelle aufbewahrt und nicht Jacken unter dem Bett, Handschuhe und Schals im Keller und hinten im Schrank der Rest.

Was hier zählt ist vor allem Selbstdisziplin – und nein, ein Selbstläufer ist es eben nicht!

Schritt 3:

Die Routine im Alltag. Hier drohen besonders neue Anschaffungen das Projekt ins Wanken zu bringen. Denn bevor wir etwas neues kaufen, sollten wir uns fragen wo genau wir Platz dafür haben, ob wir dadurch etwas Altes ersetzen und wenn ja, was wir dann mit dem Doppelten machen.

Warum Montessori und Minimalismus so gut zueinander passen

In der klassischen Literatur nach Montessori ist im Kontext der sensiblen Phasen auch die Rede vom angeborenen Sinn für Ordnung. Ein Wohlklang in Mamas Ohren!

Die sensible Phase beschreibt dabei in der kindlichen Entwicklung eine Zeitspanne in der Kinder besonders empfänglich sind, bestimmte Fähigkeiten zu erlernen.

Kinder durchlaufen die sensible Phase für Ordnung zwischen etwa dem 2. und 4. Lebensjahr.

Eine Zeit, in der sie besonders Wert auf Struktur, Routinen und Wiederholungen legen.

vgl. „Kinder fördern nach Montessori“, Tim Seldin, 2007

Wer sich nun noch ein bisschen weiter ins Thema einliest, der wird ziemlich schnell sehr deutliche Parallelen zwischen dem finden, was Aufräume-Expertin Marie Kondo Erwachsenen in ihrem Bestseller rät und dem, was in vielen Einrichtungen nach Montessori schon seit Jahrzehnten gängige Praxis ist.

Minimalismus und Familie: Was KonMari & Montessori gemeinsam haben und wie Eltern es für sich nutzen können.

Einfache Ideen für mehr Struktur nach Montessori

  1. Grundregeln festlegen, erklären und in der ersten Zeit stetig wiederholen
  2. Pro Kind nicht mehr als 3-4 Spielzeuge/-sets sichtbar platzieren
  3. Spielzeug nach Kategorien zusammenfassen – z.B. Bauklötze und Tierfiguren in einem tragbaren Korb mit Griffen
  4. Die Körbe mit Fotos des Inhaltes versehen – so weiß jeder wo was hin gehört
  5. Feste Spielbereiche: Gemalt wird am Tisch in der Küche, die Eisenbahn hat auf dem Teppich im Kinderzimmer den besten Platz
  6. Wer fertig gespielt hat, räumt erst die das alte Spielzeug zurück bevor er etwas neues nimmt

Ich habe keinen Hinweis darauf gefunden, dass Marie Kondo eine Montessori Ausbildung genossen hat – aber die Pralleren zwischen beiden Philosophen sind für mich ziemlich offensichtlich.

Über Minimalismus, Montessori und den angeborenen Sinn für Ordnung

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  1. Das Motto “weniger ist mehr” finde ich sehr toll und wichtig. Danke, dass du weniger zum Konsumieren als zum Reduzieren animiert. Deshalb lese ich deinen Blog so gerne!

  2. Stefanie R.

    Der Beitrag ist toll und das Zitat vom Lehren trifft hier gerade mitten ins Herz – Im September geht der Kindergarten los (ganz großes Bauchweh auf meiner Seite) Jobangebote die toll und irgendwie „einmalig“ klingen – mein Bauch sagt ziemlich laut Nein!! und viele viele weiter Gedanke die mich beschäftigen, und dieses Zitat gibt mir irgendwie Mut zum Bauchgefühl.

    Minimalismus seit einigen Jahren auch ein großes Thema und eine große Erleichterung im Alltag. Der Tipp vom letzten Artikel, Spielzeug einfach mal wegräumen, und beobachten ob es vermisst wird, war goldwert. Wir fühlen uns absolut wohl, auch wenn manch Besucher mehr Spielzeug eindeutig vermisst 😉
    Die Parallelen von Montessori und Kondo sind eindeutig erkennbar jedoch ist es mir noch nie so bewusst aufgefallen. Unser nächstes Projekt ist der offene Stauraum bin schon gespannt und voller Vorfreude denn ich denke es bringt Ordnung und gleichzeitig total viel Gemütlichkeit – ein Regal für alle.

    Selbstdisziplin was für ein Stichwort! Oh ja – aber bringt so viel für alle Familienmitglieder. Und Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel 😉

    Liebe Grüße
    Steffi

    • Liebe Steffi,

      das klingt wirklich nach großen Veränderungen! Bei uns endet grade die erste Kindergartenära und rückblickend bin ich wirklich froh über diese Erfahrung. Es ist natürlich eine große Umstellung aber ich denke wenn wir uns darauf einlassen und die Basis stimmt, kann es eine Familie ganz wunderbar bereichern!

      Ja, die Selbstdisziplin liegt hier phasenweise auch weinend unterm Tisch – aber perfekt ist kein Mensch und jeder kleine Schritt bringt uns dem Ziel näher <3

      Alles Liebe
      Saskia

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