Warum hier Minimalismus vor dem Kinderzimmer endet

Einfach Leben: Wenn Minimalismus vor dem Kinderzimmer endet und warum das gut so ist

Minimalismus im Kinderzimmer

Wer über den Minimalismus und seine zahlreichen Vorteile schreibt, der kommt irgendwann nicht umher auch ganz ehrlich die Grenzen dieser Vereinfachung aufzuzeigen.

Grade wenn wir über Familie sprechen, reicht es oft nicht aus, wenn einer der Beteiligten mehr Einfachheit und Struktur im Leben sucht. Wir können die vermeintlich überflüssigen Dinge kistenweise loswerden – nur, um Wochen später wieder wortwörtlich vor dem selben Problem zu stehen.

Als Eltern können wir Strukturen schaffen und versuchen ein positives Vorbild zu sein. Trotzdem dürfen wir bei all der Euphorie nicht vergessen, dass Kinder einen Haushalt immer ein wenig lebendiger machen als uns das an manchen Tagen lieb ist.

Die Grenzen des Minimalismus

Ob mit oder ohne Minimalismus. Ein Kind oder gleich mehrere großzuziehen ist ein fordernder und manchmal auch richtig ermüdender Job. Und einer, den ich gegen nichts aber auch rein gar nichts tauschen möchte!

Bedeutet im Klartext: Auch wenn wir inzwischen recht minimalistisch Leben, Chaos und ein gewisser Grad an Unordnung gehören für uns als Familie einfach dazu.

Vielleicht wäre es also sinnvoll lieber mal die eigene, minimalistische Perspektive zu hinterfragen, bevor man schimpfend das gesamte Kinderzimmer ausräumt?

Da sitze ich also – habe zahlreiche Artikel und Bücher zum Thema Minimalismus gelesen. Habe ausgemistet, sortiert und systematisiert. Und trotzdem sieht es hier am Ende eines ereignisreichen Tages oft alles andere als ästhetisch minimal aus.

10 Minuten aus meinem Alltag

Da liegen matschige Kinderschuhe nur knapp neben dem Korb, den wir extra dafür gekauft und erklärt haben. Aber in dem Moment, als sie vom Spielen mit Freunden nach Hause kamen, waren andere Dinge so viel wichtiger und der Fokus in einem ganz anderen Universum.

In der Küche steht noch diverses Geschirr und ein Schneidebrett mit den inzwischen braun gewordenen Apfelresten.

Wir wollten vorhin einfach schnell los. Das schöne Wetter geniessen! Also hat der Haushalt einfach mal hinten anzustehen. Läuft ja nicht weg – zumindest nicht so schnell. Im Vorbeigehen hole ich aus meinem Rucksack die Trinkfalschen und stelle sie in die Spüle – aus dem Kinderzimmer hören ich lautes Lachen „Oh ja, gute Idee!“

Die Kleine steht neben mir. Sie hat eben Eicheln gesammelt und möchte sie jetzt sofort anmalen. Man könne daraus eine ganz tolle Kette machen. Oder gleich zwei – für ihre beste Freundin auch! „Und Mama,“ sie strahlt „für dich mache ich dann auch eine!“. Jetzt leuchten auch die Augen der großen Schwester: „Ich hol die Schneckenhäuser, die kann man auch ganz toll bemalen“.

Der Junior räumt unterdessen den Rucksack im Flur aus. Er findet die Keksdose und öffnet sie voller Stolz. Kekse liegen links und rechts neben ihm. Er sammelt einige davon auf – probiert sie, räumt sie zurück in die Dose und versucht hochkonzentriert den Deckel zu schließen. Es gelingt ihm! Also alles noch mal von vorne.

Währenddessen haben die Mädchen die Bastelsachen ausgebreitet und malen in den buntesten Farben. „Findest du das schön?!“ die Kleine zeigt der Großen stolz die kunterbunten Eicheln.

Viel zu viel Farbe – auch auf den Fingern, der Kleidung und auf der Tischplatte – denkt der Kopf. Wie glücklich sie sind und was für eine unglaublich lebhafte Fantasie sie haben – mischt sich das Mutterherz lautstark ein.

Verstohlen blicke ich auf die Wäscheberge, die noch gelegt und einsortiert werden wollen. Später, wenn mein Mann die Kinder ins Bett bringt werde ich die Wäsche machen, den Tisch sauber schrubben und schnell einen sicheren Ort zum Trockenen der Schätze suchen. Ich werde die Krümel aus dem Rucksack schütteln und vielleicht noch fix den Flur saugen, bevor alle schlafen. Das klirrende Geschirr muss dann bis morgen früh warten. Denn hey, ein bisschen Zeit für eine Folge „The Crown“ muss sein – vielleicht auch Zeit für zwei oder drei. Mal abwarten was der Mann davon hält.

Die Kleine reisst mich aus meinen Gedanken „Hier Mama, das habe ich extra für dich gemacht. Dann kannst du immer an mich denken, wenn ich nicht da bin.“ Mit farbverschmierten Fingern und Klamotten hält sie mir die Bastelei entgegen. Wie pures Gold! Das Mutterherz tanzt und lässt das Gedankenkarussell hinten anstehen…

Klingt nicht wirklich nach dem, was Minimalismus sonst immer so schön plakativ verspricht. Aber was ist eigentlich Minimalismus – machen wir hier nicht besser unsere ganz eigenen Regeln?

Ja, inzwischen finden sich in den Schubladen immer weniger unnötige oder doppelte Dinge. Auch in der Küche hat alles mehr oder weniger seinen Platz gefunden. Das spart Zeit und schenkt Raum.

Ich habe für die Jacken und Schuhe der Kinder ein System entwickelt und ein leerer Korb steht bereit, mit dem ich innerhalb von 5 Minuten alles in der Wohnung einsammle, was nicht an seinem Platz ist.

So spare ich Zeit und das spart Nerven. Zeit und Nerven, die kann man als Eltern schliesslich nie genug haben!

Für mich bedeutet all das – selbst wenn der Minimalismus – das einfache Leben – hier nur von mir allen kultiviert würde, der positive Unterschied ist für alle positiv spürbar!

Minimalismus im Kinderzimmer – um jeden Preis?!

Und die Kinder? Denen bin ich hoffentlich ein positives Vorbild. Aber ich möchte sie nicht beschneiden. Möchte ein Prinzip nicht höher halten als den Respekt vor ihrem oft übersprudelnden, neugierigen Wesen.

Wenn ein unordentlicher Schreibtisch auf einen unordentlichen Geist hinweist, worauf deutet dann ein leerer Schreibtisch hin?!

Zitat von Albert Einstein.

Gilt das vielleicht auch fürs Spielzimmer, den Arbeitsplatz der Kinder?! Ich glaube inzwischen fest daran, dass Kinder einfach einen gewissen Grad an kreativem Chaos brauchen – Erwachsene übrigens auch.

Genau so, wie die Natur von sich aus nie ordentlich aber doch immer perfekt ist.

Spielzeug muss manchmal einfach wild gemischt über dem gesamten Fussboden verteilt werden. Dass ausgeräumte Dinge da im Eifer des Gefechts einfach vergessen werden gehört dazu. Genau wie die Tatsache, dass es für alles im Leben eine Zeit gibt. Auch für Ordnung.

Klar macht es im Moment mehr Arbeit für mich. Aber ich glaube fest daran, dass Kinder in einer Umgebung nur aufblühen können, wenn sie sich nach ihren ganz individuellen Bedürfnissen richtet.

Wie man das Kinderzimmer trotzdem für alle ein bisschen einfacher gestalten kann, dazu findet ihr hier zwei weiterführende Artikel:

Nächste Woche könnt ihr hier übrigens meinen wahrscheinlich letzten Beitrag zum Thema Minimalismus lesen. Ich glaube inzwischen habe ich einfach alles geschrieben, was ich dazu an Inspirationen und Ideen teilen kann. Der Titel lautet „Am Ende des Minimalismus: Kommt da noch was oder war das schon alles?!“ und ich hoffe er erklärt noch mal abschliessend meine Sicht auf diesen Trend und unsere Praxis.

Wenn Minimalismus vor dem Kinderzimmer endet

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Ich mag es, wenn die Dinge einfach und gut sind: Wenn Aktivitäten den Alltag einfacher gestalten und am Ende des Tages ein richtig gutes Gefühl bleibt; wenn Essen nicht nur einfach zuzubereiten ist, sondern auch gut tut - und, wenn Produkte einfach funktionieren und etwas Gutes für alle Seiten bleibt.

  1. Liebe Saskia,
    ein großes Kompliment für diesen Beitrag. Ich mag deine Sicht der Dinge richtig gern!
    Man merkt, dass dieses Thema dich echt bewegt und nicht nur so ein Trend ist. Schade, dass du nichts mehr weiter dazu schreiben magst. Aber ich kann es verstehen. Manchmal ist einfach alles gesagt. Und dann ist das gut so!

    Ganz liebe Grüße, Maja

    • Liebe Maja,

      vielen Dank für dein liebes Feedback, das freut mich sehr!

      Liebe Grüsse
      Saskia

  2. Pingback: Kinderzimmer: 9 hübsche Dinge für mehr Ordnung via stadtlandkind — a lovely journey

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