Spielzeugfrei: Was das bringt und warum es Kindern gut tut

Spielzeugfrei: Was das bringt und warum es Kindern gut tut

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„Wir schicken das Spielzeug jetzt in den Urlaub mit diesen Worten startete für unsere Tochter vor einiger Zeit das Projekt Spielzeugfreier Kindergarten.

Spielzeugfrei – bis dato eine Äußerung, die ich eher im Zusammenhang mit Minimalismus und Konsumkritik vermutet hätte.

Beim Projekt Spielzeugfreier Kindergarten geht es aber tatsächlich um aktive Suchtprävention. Ein Umstand, der das Thema für mich um so spannender macht.

Wie wenig Spielzeug Kinder eigentlich brauchen und wie viel einfacher der Alltag nach dem Ausmisten ist; darüber habe ich bereits vor einiger Zeit geschrieben. Ein Beitrag, dessen Resonanz mich um ehrlich zu sein sehr überrascht hat!

„Weniger aber besser“ – eigentlich kein neuer Schlachtruf aber einer, den vielleicht grade Familien wieder und wieder hören müssen. Und eine Bloggerin, die quasi Werbung gegen Werbung macht. Etwas, dass sich offensichtlich immer mehr Leser wünschen.

Aber zurück zum Thema:

Was hat zu viel Spielzeug mit Suchtgefährdung zu tun?

Beim Projekt im Kindergarten geht es inhaltlich natürlich um mehr als kahle Wände: Gemeinsam mit den Kindern werden Stück für Stück die Spielzeuge wie Puppen, Gesellschaftsspiele, Malutensilien, Motorikspielzeug & Co ausgeräumt. Zentrale Elemente, die sonst oft auch die Struktur im Kindergartenalltag vorgeben.

Statt sich zu überlegen oder gar ganz konkret gesagt zu bekommen, was als nächstes gemacht oder gespielt wird, erhalten Kinder für die spielzeugfreie Zeit somit die Möglichkeit ihren Tagesablauf selbst zu organisieren.


„Kinder haben den Wunsch gesehen zu werden, Dinge selber zu tun, ihre Ideen auszuprobieren. Verantwortung für sich und ihre Vorhaben zu übernehmen. Sie wollen Selbstwirksamkeit erfahren, sich an anderen messen, gemeinsam Dinge erbauen und erleben. Der Spielzeugfreie Kindergarten bietet ihnen dazu viel Raum, weil der Alltag nicht von Erwachsenen beeinflusst und gesteuert wird.“

    – Quelle Spielzeugfrei.ch

Was zum Spielen bleibt sind Möbel, Seile, Tücher, Bretter und Alltagsgegenstände, die eben nicht zum bloßen Zweck des Spielens erdacht wurden. Und natürlich die anderen Kinder. Und auch die Erzieher legen natürlich nicht komplett die Beine hoch – auch, wenn sie das sicher mal verdient hätten!

Das Projekt zeigt mir deutlich, wie Pädagogen inzwischen auch in den staatlichen Einrichtungen umdenken und alte Muster aufbrechen. Kindern mehr Freiraum im Schulalltag zu lassen – ein Trend der zumindest hier im Kanton Zürich und mit dem Lehrplan 21 auf dem Vormarsch scheint!

Macht Spielzeugfrei also auch zu Hause Sinn?

Eine Frage, die sicher nur jede Familie für sich beantworten kann.

Wenn Spielzeuge zum Stressfaktor wird, weil Kinder in ihrer Masse keine Ordnung halten können oder weil sie einfach nur als Beschallung dienen, macht Umdenken sicher Sinn.

Ansonsten erlebt man als Familie den Spielzeugfrei-Effekt oft schon ganz automatisch, wenn man einen Ausflug auf den Spielplatz oder in den Wald macht. Dort brauchen Kinder oft nur ihre Fantasie, um aus quasi Nichts neue Welten entstehen zu lassen und grenzenlos spielen zu können.

Auch der mittlerweile verbreitete bekannt Appell an Eltern, ihre Kinder regelmäßig auch Langeweile aushalten zu lassen, findet für mich Bestätigung in Projekten wie diesem.

 


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Spielzeugfrei: Was das bringt und warum es Kindern gut tut

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  1. Valeria

    Das war ein sehr spannender Beitrag! Ich finde viele Familien sollten mal ihre Menge an Spielsachen zuhause überdenken.
    Ich arbeite auch in der Schweiz in einer Kita und wir haben erwas ändliches gemacht. Nur haben vermehrt „Abfall“ im Sinn von Karton, Büchsen oder Petflaschen angeboten. Mit der Fantasie von den Kindern entstanden dann draus wundervolle neue Spielsachen, die sie aber selbst kreiert haben. Als Erzieherin selber waren dies sehr spannende Wochen.
    Mein Sohn allerdings hat sich nie wirklich für Spielsachen aus dem Laden interessiert. Er liebt Rollenspiele und dafür benützt er fast ausschliesslich Alltagsgegenstände. Da finde ich es dann manchmal auch fast zu schade Geld für richtige Spielsachen auszugeben, diese nutz er nämlich sehr selten.

  2. Anna Fischer

    Zur Fastenzeit wird das bei uns im kiga gemacht. Für drei Wochen kommen die spielsachen raus und „wertlose Gegenstände“ wie: Tücher, Bierdeckel, Tücher, große papprollen etc. ziehen dann ein.

    Die Erzieher melden so viel positives in der Zeit. Die Kinder sind währenddessen sehr kreativ und fangen an Rollenspiele oder andere Sachen zu spielen. Mein Sohn liebt das. Er ist dann immer der Fabrikleiter 😂

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