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Alltag als Freilerner mit @fox.and.beau

4. Juli 2016

dsc03522Heute möchte ich euch in der #motherhood-Reihe einen inspirierenden Einblick in den Alltag dieser wunderbaren Familie aus England geben. Die Frage wie unsere Kinder aufwachsen und erzogen werden sorgt natürlich gerne und viel für Diskussion – statt aber zu sehr an der Theorie zu haften, freue ich mich, dass Jackie heute ein bisschen über ihren Familienalltag als Freilerner berichtet.

Mein Name ist Jackie {@fox.and.beau} und ich wohne, zusammen mit meinem Mann und unseren zwei Jungs, Oscar (fast 5 Jahre) und Samson (2 Jahre), im Südwesten Englands. Die liebe Saskia hat mich gebeten, euch ein wenig von unserem Alltag als Freilerner und wie wir dazu gekommen sind, zu erzählen.

Wir haben uns schon sehr früh mit dem Thema Schule auseinandergesetzt. Ich kann mich noch an meine Empörung erinnern, als ich erfuhr, dass die Kinder in England mit 4 in die Schule gehen. „Aber da wird doch bestimmt mehr gespielt als alles andere“ höre ich euch jetzt denken. Nein! So richtig Schule… ihr wissst schon… still sitzen, lesen, schreiben und rechnen lernen. Bis um 3 in der Schule. Gegen halb 4 zu Hause, Hausaufgaben machen (!!) dann noch schnell Abendbrot essen und dann aber husch husch ins Bett…morgen ist ja wieder Schule! Kindheit adé.

Uns war sehr schnell klar, dass wir das so für unsere Kinder nicht wollten und wir suchten nach Alternativen. Eine Montessori Schule war meine erste Idee, aber da gab es nichts in unserer Nähe. Also ging es zum Tag der Offenen Tür der Waldorf Steiner Schule in unserer Nähe und wir besuchten sogar eine Unterrichtsstunde. Doch so hundertprozentig glücklich waren wir damit auch nicht und je mehr wir uns in die Waldorf Pädagogik einlasen, desto mehr merkten wir, dass diese nicht wirklich zu uns passt.

Zu diesem Zeitpunkt, stiess ich dann auf Home Education, welche in England ganz legal ist. Je mehr wir uns mit der Thematik beschäftigten, desto mehr bemerkten wir, dass das Freilernen genau das ist, was wir uns für unsere Kinder wünschten und es auch perfekt in unseren Alltag und unser Leben passte. {Der Unterschied zwischen Homeschooling und Freilernen ist in diesem Artikel sehr gut erklärt.}

Unser Alltag ist wirklich sehr abwechslungsreich und von Woche zu Woche unterschiedlich. Einige Aktivitäten planen wir etwas im Voraus und anderes passiert ganz spontan. Wir richten uns dabei viel nach den Interessen von Oscar und Samson.

Richtiges Lernen kann nur passieren, wenn das Kind auch Interesse hat. Kinder sind von Natur aus sehr wissbegierig und haben ein natürliches Verlangen danach, die Welt um sich zu verstehen und zu erkunden.

Und genau das möchten wir unseren Jungs ermöglichen und wir haben unglaublich viel Spass daran, mit ihnen zusammen die Welt zu entdecken. Es gibt Tage, die wir lieber in Ruhe zu Hause, im Garten oder in unserem Allotment (wo wir allerlei Gemüse anbauen) verbringen und manchmal zieht es uns spontan für einen, oder auch mehrere Tage, an die Küste.

Wichtig ist für uns auch, unseren Kindern das Wissen nicht nur vorgekaut auf einem Teller zu präsentieren, sondern ihnen zu vermitteln, WIE lerne ich. Wie kann ich etwas herausfinden, wenn ich es wissen will. Wir benutzen dazu ganz unterschiedliche Medien – wir Googlen, wir schauen uns Bücher zu den Themen an, wir gehen in Museen oder vor Ort und fragen die Menschen, oder wir schauen uns Filme, Dokumentationen oder sonstiges an.

Wir halten uns gerne in der Natur auf und haben auch eine wöchentliche Forest Adventure Gruppe ins Leben gerufen. Wir treffen uns dort mit anderen Freilernern in verschiedenen Wäldern in der Umgebung und spielen, erkunden, basteln und lernen. Da Home Education in England sehr weit verbreitet ist, gibt es auch ein entsprechend großes Angebot an Aktivitäten. Ich bin in einigen lokalen Home Education Gruppen auf Facebook, wo ich auf dem Laufenden bleiben kann. So hat Oscar zum Beispiel schon bei einem Home Ed Besuch bei Pizza Express teilgenommen, wir sind zusammen mit anderen Freilernern für einen Tag nach Stonehenge gefahren, wir haben einen Lego Club gegründet, gehen ab und an zu einer Tanzgruppe und es entstehen auch einfach spontane Treffen mit Freunden und Bekannten. Nachdem wir letztes Jahr zum ersten Mal bei @-Bristol {einem unglaublich tollem Wissenschaftsmuseum} gewesen sind, sind wir mittlerweile stolze Besitzer einer Jahreskarte.

Wir besuchen Museen, treffen uns mit Freunden und ja, wir leben einfach unser Leben und versuchen soviel Spaß wie möglich zu haben. Und wir lernen unglaublich viel dabei.

Oft werde ich gefragt, ob wir das Freilernen für immer geplant haben oder ob wir die Jungs irgendwann in eine Schule schicken werden. Wir können ihnen doch schließlich nicht alles vermitteln, was ist denn, wenn es später mal um die hohe Mathematik geht, etc. Die Frage, die ich mir stelle ist, ob all das wirklich gelernt werden muss. Wenn ich mich an meine Schulzeit zurück erinnere, gibt es viele Sachen, die ich für Tests und Prüfungen auswendig lernte, nur um sie danach sofort wieder zu vergessen. Wenn mich etwas interessiert, ich z.B. Wissen benötige, um eine bestimmte Tätigkeit auszuführen – die Motivation also aus mir selbst herauskommt- dann ist Lernen erst wirklich möglich. Ich bin der Meinung, dass wir alles, was wir im Leben auch wirklich brauchen, auch lernen werden.

Ich bin wirklich dankbar, dass wir diesen, für uns so richtigen Weg, gehen können.

Mehr von Jackie und ihrer Freilernerfamilie findet ihr auf ihrem Blog und bei Instagram.

  • Caroletta
    4. Juli 2016 at 14:20

    Ein sehr inspirierender Artikel! Schade, dass Freilernen in D. nicht legal möglich ist.
    LG,
    Caroletta

  • abullerbuelife
    5. Juli 2016 at 19:41

    Ich bete immer noch, dass Home Education in Deutschland auch irgendwann möglich sein wird. Das im Aritkel beschriebene Leben erscheint mir wie das Paradies auf Erden…

  • Martin
    6. Juli 2016 at 10:21

    Das klingt alles sehr schön für die Kinder. Davon brauchen wir mehr. Kinder sind von Natur aus interessiert an der Welt und leider macht genau die Schule das meistens kaputt.